Rote Augen, verlangsamte Reaktionen: Was im Cannabisrausch passiert

Cannabis kann sehr unterschiedlich wirken. Wie der Rausch verläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Abgesehen davon, ob Cannabis geraucht oder verzehrt wird, spielen Menge und Wirkstoffgehalt der Droge eine entscheidende Rolle, ebenso die psychische und körperliche Verfassung des Konsumierenden, das Alter, die Konsumerfahrung und nicht zuletzt auch die Umgebung.

Cannabis kann Gefühle und Stimmungen verstärken – positive wie negative. Konsumierende können sich entspannt fühlen, heiter, gar euphorisch werden ("high") und Farben und Töne intensiver wahrnehmen. Anschließend können sich allerdings Müdigkeit und Lustlosigkeit einstellen.

Auch negative Gemütszustände wie Angst können sich verstärken. Oft lassen Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen nach. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis wird im Cannabisrausch gestört, weshalb auch die Zeit langsamer zu verstreichen scheint.

Als eher untypisch schildern Konsumierende einen gesteigerten Antrieb. Selten auch Desorientierung, Verwirrtheit oder Panik, was vor allem bei Überdosierung und einem hohen THC-Gehalt passieren kann.

Gerötete Augen, erweiterte Pupillen, trockener Mund – auch der Körper reagiert unmittelbar auf die Droge. Der Blutdruck kann sich verändern, die Herzfrequenz steigt und es können sich Schwindel, Kreislaufstörungen, Hungergefühl oder Übelkeit einstellen.

Die Risiken von Cannabis sind abhängig von Alter und Konsummuster - aber nicht nur

Viele junge Menschen probieren Cannabis mal aus oder rauchen es gelegentlich. Die Gefahr dieses „Ausprobierens“ liegt dabei weniger in der Droge selbst. Vielmehr sind die Konsummuster und -motive  entscheidend: Warum greifen Jugendliche zur Droge? Wann, wie oft, wie viel konsumieren sie, und wie wichtig wird das für sie?  Es gilt, auf die Lebenssituation junger Menschen zu schauen – Familie, Schule, Freizeit, Freunde, Zukunftsperspektiven. Eine entscheidende Frage ist auch, inwieweit der oder die Jugendliche mit Konflikten umgehen und sie bewältigen kann.

Generell gilt: Junge Menschen sind besser geschützt, wenn es ihnen sozial, körperlich und seelisch gut geht.

Umgekehrt steigen die Risiken, je früher Jugendliche anfangen, Cannabis zu nehmen, je häufiger und länger sie dies tun und je mehr THC enthalten ist: In der Pubertät können psychoaktive Substanzen die psychische Reifung verzögern und beeinträchtigen – ebenso die geistige Entwicklung. Wichtige Entwicklungsaufgaben von Jugendlichen wie Schulabschluss, Einstieg ins Berufsleben, Aufbau von Freundschaften und Beziehungen oder das sich Abnabeln vom Elternhaus sind dann manchmal nicht mehr zu schaffen.

Auch Gedächtnis und Konzentrationsvermögen können durch den frühen Einstieg in die Droge oder intensiven Konsum leiden und Jugendliche weniger leistungsfähig in Schule und Beruf machen.

Die körperlichen Folgen eines langjährigen Cannabiskonsums sind bisher nicht abschließend erforscht. Aber es gibt klare Hinweise, dass Cannabisrauchen langfristig die Risiken von Bronchial- bzw. Lungenerkrankungen erhöht.

Exzessiver Konsum – bei  entsprechender Vorbelastung reicht in Einzelfällen auch schon ein geringfügiger Gebrauch – kann außerdem Angststörungen, Depressionen oder Psychosen auslösen. Häufiger ist auch zu beobachten, dass Cannabis zur "Selbstmedikation" verwendet wird, d.h. Menschen mit ADHS, Depressionen oder anderen psychischen Problemen stellen fest, dass Cannabis ihnen scheinbar hilft, besser damit zurecht zu kommen. In diesen Fällen liegt das Risiko nicht in der Substanzwirkung sondern in der psychischen Problematik.    

Doch auch jenseits aller gesundheitlichen Risiken müssen Jugendliche mit Ärger und Problemen etwa in Schule, Ausbildung, mit der Polizei und Justiz rechnen, wenn ihr Drogenkonsum auffliegt: Cannabis ist eine illegale Droge und der Umgang damit strafbar!

Die Diskussion um die Risiken des Cannabiskonsums dreht sich seit Jahrzehnten im Kreis: Manche Forscher postulieren, dass Cannabis das Gedächtnis schädigt und psychische Erkrankungen nach sich zieht, während andere Studien belegen, dass der Stoff für die große Mehrheit der Konsumierenden unproblematisch ist, und sie mit dem Erwachsenwerden von selbst der Droge entwachsen.

Aktuelle Studien zeigen, dass beide Schlussfolgerungen ihre Berechtigung haben, sofern man das Alter der Konsumierenden als eine entscheidende Variable berücksichtigt. Die aktuelle Hirnforschung hat nachgewiesen, dass sich das Gehirn im Jugendalter neu vernetzt. Wenn Jugendliche aber schon früh regelmäßig und intensiv Cannabis rauchen oder zu sich nehmen, könnte dies gerade jene Neuorganisation bestimmter Hirnareale beeinflussen, dadurch kognitive Leistungen beeinträchtigen sowie das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen.

Wie gefährlich Cannabis für Jugendliche ist, ist demnach abhängig von ihrem Alter zu bewerten und danach, wie intensiv sie zur Droge greifen und wie viel THC sie enthält.